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Im Tal der Mühlen

Hänichen- Mühle in Lockwitz 1537-1956

Wann die Mittelmühle in Lockwitz erbaut worden ist, ist aus den Gerichtsbüchern nicht zu ersehen. Im Erbregister von 1547 wird sie nicht genannt, da sie dem Erbherren von Oberlockwitz gehörte und deshalb nicht zinspflichtig war. Allerdings in einen Vertrag von Hieronymus Alnpeck wird 1554 die Wasserentnahme aus dem Mühlgraben geregelt. Darin lesen wir, zwei Bauern und der Pächter der Mittelmühle können „von alters her“ ihre Wiesen aus den Mühlgraben bewässern. Der Pächter ist Alex Wirthgen, er ist der erste Müller in der Mittelmühle. Es ist davon auszugehen das vor dem Berichtszeitraum der Gerichtsbücher, 1537 die Mühle schon bestanden haben muß. Sie war von Anfang an ein stattliches Anwesen, dass außer dem Mühlengebäude ein Wohnhaus und Ställe umfasste. Getriebe

Der Mühlgraben wird 1569 zum ersten Mal im Gerichtsbuch erwähnt. Er mündet bis zur Erbauung der Niedermühle (1696) kurz unterhalb der Mühle wieder in den alten Lockwitzbach. Sie war zuerst nur eine Mahlmühle und besaß drei Gänge mit einem unterschlächtigen Wasserrad.

1622 beabsichtigte der Erbherr, Hans Georg v. Osterhausen „aus dringenlicher Not und Armut“ die Mühle zu verkaufen. Er legte dem Pächter Dreßler nahe, sich eine anderweite Beschäftigung zu suchen. Dieser erwiderte aber, dass er außer dem Müllerhandwerk nichts anderes erlernt habe und bat ihm die Mühle weiter zu führen. Osterhausen trifft daraufhin einen Erbvergleich mit ihm, durch dem ihm und seinen Eltern und Nachbesitzern die Mühle gegen einen jährlichen Zins von je 6 Schock Weizen und Korn sowie 4 Schock Hafer erblich überlassen wird

Michael Dreßler baute nunmehr die Mühle von Grund auf neu und legte ein höheres Gefälle an, um die Wasserräder oberschlächtig anzutreiben. 1651 kaufte er die Mühle und richtete zusätzlich eine Schneidemühle ein.

Von 1760 bis 1805 ist die Mühle ständig verpachtet. 1809 kaufte sie Johann Peter Schrumpf aus Dresden. Dieser errichtete sogleich ein neues Seitengebäude, anschließend baute er die Scheune und die Brücke von Grund neu auf. Bereits ein Jahr später wird die Mühle um eine Hirsestampfe erweitert.

Lockwitz alte WehrHochwasser 2002

 

Vermutlich stammten auch die umfänglichen Bauten des Wehres, was bis 1925 bestand, und das mit Sandstein ausgemauerten Flussbettes oberhalb des Wehres aus dieser Zeit. Der ebenfalls mit Sandstein eingefasste Mühlgraben ist heute in Teilen noch vorhanden, letztmalig wurde er 1904 und 1957 in Standgesetzt.

Beim Augusthochwasser des Lockwitzbaches im Jahr 2002 ist das automatische Segmentwehr (Baujahr 1926/27) an der Tögelstrasse schwer beschädigt und seitdem außer Betrieb. Der abgehende Mühlgraben zur Mittelmühle und Niedermühle führt seitdem kein Wasser mehr und die Natur nimmt ihn langsam wieder in Besitz

. Etikett KornbrennereiHähnMühle Wasserräder

 

Im Jahr 1834 wird zusätzlich zur Mühle die Lockwitzer Kornbrennerei durch Traugott Heinrich Hänichen eröffnet. Drei Jahre später kauft er die Mühle die heute seinen Namen trägt. Eine letzte Erweiterung erfährt die Mühle 1904, wo eine moderne Getreideschrottmühle eingebaut wird. Der Mühlgraben und die vier oberschlächtigen Wasserrädern sind verschlissen und werden durch ein Leistungsfähigeres Wasserrad mit Stahlschaufeln ersetzt.

 

Schon 1917 wird die Schnapsbrennerei wieder eingestellt. Nach und nach wird auch die Landwirtschaft langsam aufgegeben. Nach 1945 wird das gesamte Anwesen verkauft und 1956 der Mahlbetrieb endgültig eingestellt. In den anschließenden Jahren bis 1991 wird die Mühle unterschiedlich genutzt. Unter anderen hat das nahegelegene Dico Werk (chemische Fabrik) an der Niedermühle Büroräume hier. Dazu gibt es eine VEAB (Ankaufstelle von Landwirtschaftlichen Erzeugnissen) und die Mütterberatung von Lockwitz ist hier für einige Jahre untergebracht. 

 

Zustand 2004Zustand 2004

 

1991 wird das gesamte Anwesen verkauft. Aber lange Zeit bleibt die Mühle unberührt und verfällt. Erst im Jahr 2001 begann der Umbau der Mittelmühle. Heute sind in der ehemaligen Mühle moderne Wohnungen entstanden. Und auf dem grossräumigen Mühlen-Gelände entstanden  mehrere Einfamilienhäuser.

 

Zustand 2008 Zustand 2008

 

Bei der Sanierung der ehemaligen Mühle legte der neue Besitzer großen Wert auf die Erhaltung zweier Kammräder im Keller des Mühlengebäudes und einer Tafel am Wohnhaus. Die Inschrift lautet „Erbaut 1850 von Traugott Heinrich Hänichen, erneuert 1896“

 

 Mühlenplan für den Lockwitzbach: Wasserrad Trans Google Maps

 Weiter Bilder zur Hänichenmühle:   Wasserrad Trans Weißeritzmühlgraben

 

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