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Im Tal der Mühlen

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Kelterei Donath 1906 bis 1996

In Laubegast stand die Wiege der deutschen Fruchtsaft-Industrie. Der Begründer des Industriezweiges war Emil Donath. 

Er erlitt in früher Jugend einen Impfschaden. Auf ärztlichen Rat überwand er seine Krankheit mit einer ‘Früchtekur‘. Daraus entsprangen die Versuche, sich die Inhaltsstoffe der Früchte, ohne die damals üblichen chemischen Konservierungsstoffe, auch in den Monaten ohne frische Früchte zu erhalten. Er studierte die Schriften von Louis Pasteur und begann Fruchtsäfte, vor allem alkoholfreien, naturreinen Apfelsaft herzustellen. 1893 meldete er, auf Drängen des Laubegaster Gemeindevorstandes, das Gewerbe an.

Wahrscheinlich ist, dass er der Erste in Deutschland war, der alkoholfreie Fruchtsäfte gewerblich herstellte und sie zu Markenprodukten machte.

Die Produktionsstätte in Dresden-Laubegast in der Hauptstraße 2, (heute Österreicher Straße 5) war nicht zu übersehen. Ein großer gelbroter Apfel, geflochten wie ein Korb, hing im 1. Stock und zog die Blicke auf sich. An der Vorderseite des Hauses warb er mit „Obstweinkelterei und Schänke“ und „Laubegaster Weinbauer“ um Abnehmer und Gäste. In der „urgemütlichen Weinstube“ oder unter Bäumen im Garten, ließen sich die Besucher die Obstweine schmecken.

Nach ersten Erfolgen in Laubegast wurde die Produktion aus Platzgründen 1906 nach Lockwitz verlagert. Die Brüder Emil und Albert firmierten in Lockwitz als „erste sächs. Kelterei alkoholfreier, haltbarer Natur-Moste“. Die Firma zählte bis 1945 zu den bedeutendsten Fruchtsaftkeltereien in Deutschland, viele Verfahren wurden entwickelt und erprobt. Der Lockwitzgrund war das „Mekka“ der Fruchtsafthersteller. 

Ehrhard Donath gründete 1930 den Verband der Deutschen Süßmostkeltereien, der noch heute als Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie besteht.

Zu den Fruchtsäften und Obstweinen kamen „Dicksäfte“, Fruchtsirup, Spezialitäten wie Friate und Fruchtpunsch (heute „Glühfrucht“), in den dreißiger Jahren auch Gemüse- und Pflanzensäfte. Ein besonderer Erfolg war es, als es 1936 gelang, Donath Apfelsaft „versuchsweise“ in den Speisewagen der Mitropa auf der Strecke Dresden - Berlin einzuführen. Auf halber Strecke war der Bestand ausverkauft. Es dauerte nur wenige Monate bis alle Speisewagen der Mitropa Donath Apfelsaft führten.

Die Donath-Kelterei war nicht nur in Deutschland erfolgreich. Es wurde auch bis nach England, Südafrika und den USA exportiert. Der Absatz stieg, die Produktionsräume waren immer zu eng, es wurde ständig gebaut und neue leistungsfähigere Technik installiert. Unter anderem wurde ein großes Lager in der ehemaligen Schokoladenfabrik Rüger im Lockwitzgrund unterhalten.

Der Ausbruch des Krieges brachte harte Schläge. Fritz Donath musste ab September 1939 Wehrdienst leisten. Die Exportverbindungen brachen ab, die Firma wurde als .‚kriegswichtig eingestuft. Die Säfte wurden insbesondere auf den U-Booten getrunken.

Ein großer Teil der männlichen Mitarbeiter wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Frauen, Fremdarbeiter und Kriegsgefangene sollten die Lücken füllen. Die gesamte Produktion unterlag der Zwangsbewirtschaftung. Bevorzugt versorgt wurden Wehrmacht, Marine und Krankenhäuser.

Während des Krieges hatte die Verwertung aller einheimischen Früchte höchste Priorität, besonders die Versorgung mit Vitaminen. Dem Hagebutten Dicksaft folgte das Ebereschen Konzentrat. Damit wurde Erhard Donath zum Vater der „Deutschen Zitrone. Apfelreste wurden getrocknet ‘und gemahlen und das „ApfelzelIstoffpulver“ gegen die damals häufigen Durchfallerkrankung eingesetzt. 

Das Kriegsende 1945 brachte das  Aus für den Familienbetrieb in Lockwitz. Fritz Donath wurde in Abwesenheit zum „Kriegsverbrecher gestempelt, sein Firmenanteil 1946 enteignet. Erhard musste seinen Anteil wenige Jahre später ebenfalls abgeben, nach dem die „Nachfolger“ sein Wissen nicht mehr benötigten.“

Erhard Donath wurde 1950 als Leiter der Forschung und Entwicklung der „Vereinigung Volkseigener Betriebe“ berufen. 1951 begann er seine Tätigkeit in der Versuchs- und Forschungsanstalt Dresden-Pillnitz. Er war auch als Prof. mit Lehrauftrag an der Humbold-Universität Berlin und an der Universität Leipzig tätig. Er starb am 25. Februar 1956 an seinem Arbeitsplatz in Pillnitz.

Fritz Donath verließ Dresden 1950 über die damals noch „grüne Grenze“. Ohne Mittel, nur mit seinem Wissen und neu erwachter Schaffenskraft, begründete er in München die „Donath Kelterei Fritz Donath“.

Währen des Krieges war der Sanddorn durch seinen hohen Gehalt an Vitamin C und anderen natürlichen Wertstoffen aufgefallen. Fritz Donath entwickelte mit seinem ersten Mitarbeiter „Donath Sanddorn Vollfrucht“, das erste wohlschmeckende Sanddorn-Erzeugnis.

Der volkseigene Betrieb in Lockwitz wurde zuerst als „Donath Kelterei“ fortgeführt. Zur Vermeidung markenrechtlicher Auseinandersetzungen, wohl auch um den alten Familiennamen zu tilgen, wurde der Betrieb in „Kelterei Lockwitzgrund“ umbenannt und gehörte später mit sieben Zweigwerken und über 500 Mitarbeitern zu den bedeutendsten Fruchtsaftproduzenten in der DDR.

Kehren wir zu Dietrich Donath zurück. Der Enkel von Emil Donath kaufte 1991 die ehemalige Kelterei seines Großvaters für eine Mark von der Treuhand und versuchte in dritter Generation das Lebenswerk seiner Vorfahren zu neuer Blüte zu führen.

Es gelang in relativ kurzer Zeit ein neues Markenbild und Produktprogramm zu schaffen. Listungen bei wesentlichen Handelsketten wurden erreicht. Sogar das Bundeskanzleramt unter Helmut Kohl wurde zum Kunden. Zeitungsberichte klangen vielversprechend, Investitionen wurden getätigt, doch die Schulden wuchsen. 1994 stellte Dietrich Donath die Produktion in Lockwitz ein.

Quellenangabe:

Weiter Information:

Wasserrad Trans Ziffer 16 Heft 5 2006 Autor des Artikel Joachim Bost

Wasserrad Trans www.stadtwikidd.de/wiki/Kelterei Lockwitzgrund

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Letzte Aktualisierung: 24.01.2018 I Impressum

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